„AM ENDE STEHT UND FÄLLT ALLES MIT DER TRAININGS-QUALITÄT“ – THOMAS LORENZ ÜBER SEINE ZIELE BEIM AHRWEILER BC
Mit dem Amtsantritt von Thomas Lorenz als Jugendleiter, nachdem der bisherige Jugendleiter Gerd Treffer die Position des Vereinspräsidenten übernommen hat, vollzieht der Ahrweiler BC einen personellen Wechsel an zentraler Stelle. Lorenz, bisher Kleinfeldkoordinator und Nachwuchs-Trainer, folgt auf Gerd Treffer, der die Abteilung über ein Jahrzehnt prägte.
Inhaltlich will der neue Verantwortliche Bewährtes sichern und Strukturen weiterentwickeln.
Im Gespräch erläutert er seine Ansätze.
DU ÜBERNIMMST NACH VIELEN JAHREN KONTINUITÄT EINE ZENTRALE FUNKTION. WELCHE KONKRETEN PRIORITÄTEN SETZT DU ZU BEGINN?
Meine oberste Priorität ist die systematische Weiterentwicklung unserer Trainerqualität und der Trainingsmethodik. Gerd hat ein großartiges Fundament gelegt, auf dem wir nun gezielt aufbauen können. Wir wollen eine Atmosphäre schaffen, in der Trainer und Trainerinnen gegenseitig von ihren Erfahrungen profitieren – durch regelmäßigen Austausch, gegenseitige Hospitationen und offenen Wissenstransfer. Am Ende steht und fällt alles mit der täglichen Trainingsqualität auf dem Platz.
Die zweite Priorität betrifft unsere Strukturen. Trotz schwieriger Rahmenbedingungen in Bad Neuenahr-Ahrweiler – zu wenig Hallenzeiten und begrenzte Platzkapazitäten – müssen wir Lösungen finden, die das Vorhandene optimal ausnutzen und innovative Methoden und Mittel zur Trainingssteuerung und -gestaltung einführen. Das klingt nach viel Wolkenguckungsheim, ist aber alles bewährt und erprobt – kostet jedoch Ressourcen. Für die beabsichtigte Entwicklung auf überkreislichem Topniveau brauchen wir diese gezielten Investitionen. Wie viele andere Ausbildungsvereine ist auch für den Ahrweiler BC eine finanzielle Ausbildungsunterstützung ab der D-Jugend unausweichlich – ohne Invest kein Return. Wir werden dafür transparent einen zusätzlichen Beitrag erheben. Die geplante „Give Me Five“-Initiative, mit der wir monatlich fünf Euro pro Jugendmitglied in Trainerbildung, Methoden und Material investieren wollen, ist ein Baustein dafür.
Drittens brauchen wir Transparenz und Verbindlichkeit. Eltern, Trainer und Spieler müssen wissen, woran sie sind – sportlich wie organisatorisch.
WIE GESTALTEST DU DAS ZUSAMMENSPIEL ZWISCHEN DEN TEAMS UND DEN JEWEILIGEN TRAINERSTÄBEN?
„zusammen.immer.abc“ – das ist mein Mantra. Wir fördern den Austausch zwischen den Trainern über Altersgrenzen hinweg, schaffen Räume für Wissenstransfer und sorgen dafür, dass erfahrene Trainer ihr Know-how weitergeben können. Das passiert beim gemeinsamen Beobachten von Trainingseinheiten, im Gespräch am Spielfeldrand oder beim gezielten Austausch über einzelne Spieler. Wir diskutieren Methodik, spielerische Entwicklungen, Übergänge zwischen Altersklassen und die Abstimmung unserer Spielphilosophie.
Wir setzen auf homogene Leistungsgruppen, wo es die Spielerzahlen erlauben, damit intensives Training möglich wird. Gleichzeitig gestalten wir Übergänge zwischen den Mannschaften fließend – die Trainer aufeinanderfolgender Altersklassen sprechen sich ab und kennen die Spieler. Von unseren Trainern erwarten wir regelmäßige Fortbildung, nicht nur in Lehrgängen, sondern auch durch Austausch im Verein und Selbststudium.
WELCHE LEITLINIEN GELTEN KÜNFTIG FÜR AUSBILDUNG UND SPIELIDEE?
Unsere Ausbildungsphilosophie orientiert sich an der Maxime, dass das Spiel den Spielern und Spielerinnen gehört: spielnahe Ausbildung, Wiederholung und Intensität. Jeder soll sich bei uns bestmöglich entwickeln können – unabhängig vom späteren Niveau. Wir denken langfristig, nicht in kurzfristigen Ergebnissen. Das Training orientiert sich am echten Spiel; die Spieler und Spielerinnen lernen Fußball durch Fußballspielen in altersgerechten, spielnahen Situationen. Technische und taktische Inhalte vertiefen wir in Trainingsblöcken über mehrere Wochen, Stück für Stück und immer altersgemäß. Hochintensives Training und Wettbewerb sind Entwicklungsbeschleuniger, wenn sie richtig dosiert sind – wir fordern, überfordern aber nicht.
Spielphilosophisch wollen wir mutig, ballbesitzorientiert und gedankenschnell als Einheit auftreten. Die Grundidee soll sich durch alle Altersklassen ziehen. Die Herausforderung ist, diese Philosophie trotz begrenzter Hallenzeiten und schwieriger Platzverhältnisse umzusetzen. Deshalb ist Trainerqualität entscheidend – gute Trainer holen auch aus 60 Minuten auf einem engen Platz maximalen Ertrag.
WIE WILLST DU DIE DURCHLÄSSIGKEIT VON DER JUGEND ZU DEN SENIOREN VERBESSERN?
Ich glaube, dass drei Dinge dafür wichtig sind: Erstens brauchen wir frühzeitigen Kontakt. A-Jugend-Spieler sollten bereits während ihrer letzten Jugendjahre Kontakt zur zweiten oder ersten Mannschaft bekommen – durch gemeinsame Trainingseinheiten, als Ergänzungsspieler oder durch persönliche Gespräche mit Seniorentrainern. Zweitens benötigen wir eine gemeinsame Spielidee. Wenn Spieler, die ballbesitzorientiert spielen und Pressing gelernt haben, im Seniorenbereich plötzlich völlig anders spielen sollen, verlieren wir sie. Drittens müssen junge Spieler Wertschätzung und Perspektive spüren – durch klare Kommunikation der Seniorentrainer über Erwartungen und notwendige Entwicklungsschritte.
Ich werde das Gespräch mit den Seniorenabteilungen suchen, damit unsere Jugendarbeit nahtlos in den Seniorenbereich übergeht.
WELCHE MASSNAHMEN PLANST DU, UM EHRENAMT, ELTERNARBEIT UND KOMMUNIKATION ZU STÄRKEN?
Ehrenamt lebt von Wertschätzung, Interaktion und dem Gefühl, dass die Arbeit sinnvoll ist. Mit der geplanten „Give Me Five“-Initiative werden wir Lizenzen, Fortbildungen und Materialien finanzieren – Trainer sollen spüren, dass wir sie fördern. Ich arbeite an transparenten Abläufen bei Spielplänen, Hallenzeiten und Kommunikationswegen, damit Trainer trainieren können statt E-Mails zu schreiben.
Bei der Elternarbeit setze ich auf Offenheit und Klarheit. Eltern sollen grundsätzlich verstehen, warum wir Dinge so machen, wie wir sie machen. Gleichzeitig erwarte ich Respekt und Vertrauen für die Arbeit, die seitens des Vereins und seiner Organe geleistet wird. Gleichzeitig gilt: Diese Arbeit ist kein geschlossener Kreis – jede und jeder kann sich einbringen, mithelfen und Verantwortung übernehmen, wenn er oder sie das möchte. Wir sind Partner in der Entwicklung der Kinder, keine Parteien, die sich gegenüberstehen. Kommunikation soll regelmäßig erfolgen und verbindlich sein, aber ohne Overhead – rechtzeitig, klar formuliert und mit genug Puffer für Planung.
WIE POSITIONIERST DU DIE ABTEILUNG IM WETTBEWERB MIT DEN NACHBARVEREINEN?
Wir setzen auf Qualität statt Quantität. Wenn unsere Trainer nachweislich besser ausgebildet sind als anderswo, werden Eltern und Kinder das merken. Wir orientieren uns am Stand der „Wissenschaft“ und setzen auf Entwicklung statt Ergebnisdruck. Wir sagen, was wir tun – und tun, was wir sagen. Das ist in herausfordernden Zeiten ein echter Vorteil.
Wir sind in Bad Neuenahr-Ahrweiler auf dem Sprung, zu den vermeintlich größeren Nachbarn im Norden und Süden aufzuschließen. Wir haben dieses Niveau noch nicht erreicht, arbeiten aber konsequent an unserer Vision. Mein Ziel ist nicht der größte Verein zu sein, sondern der Verein mit der besten Jugendarbeit in der Region. Auf dem Weg dorthin akzeptiere ich auch Sidesteps für den nächsten Sprung.
WELCHE MITTELFRISTIGEN KENNZAHLEN ODER SPORTLICHEN ZIELE DIENEN DIR ALS GRADMESSER FÜR ERFOLG?
Erfolg messe ich nicht primär an Tabellenplätzen. Meine Kennzahlen sind Trainerqualifikationen – wie viele haben gültige Lizenzen, bilden sich fort und tauschen sich fachlich aus. Die Verweildauer der Spieler zeigt, ob wir Perspektiven bieten. Die Durchlässigkeit zur ersten oder zweiten Mannschaft ist der ultimative Test unserer Ausbildung. Auf dem Platz muss unsere Spielphilosophie erkennbar sein – mutiger, ballbesitzorientierter Fußball, auch bei Niederlagen.
Sportlich erwarte ich ab der D-Jugend die Etablierung unserer Teams in der Spitzengruppe überkreislicher Ligen, auch weil Wettbewerb auf hohem Niveau Spieler fordert und entwickelt. Und klar: Damit locken wir auch Talente zu uns an die Kreuzstraße.
Mittelfristig – in zwei bis drei Jahren – möchte ich, dass der Ahrweiler BC in der Region als Entwicklungsschmiede bekannt ist, nicht als Ergebnismaschine. Wenn uns das gelingt, kommen die sportlichen Erfolge von selbst.
