++EIN LEBEN FÜR DEN FUSSBALL++

GROUNDHOPPER BESUCHT ABC-SPIEL

Sich ein Bild über die Groundhopper zu machen, die literarisch auch mal mit dem Begriff Wochenend-Rebellen betitelt werden,  fällt nicht leicht. Entweder hält man diese besondere Spezie unter den Fußball-Fans für verrückt oder entwickelt gar die Sehnsucht selber von Platz zu Platz zu hüpfen, wobei dabei zugleich die Gefahr besteht, das eigene Lebenskonstrukt mit Familie, Freunden und diversen anderen Hobbys ernsthaft in Zweifel zu ziehen. Anfang September, beim Heimspiel des ABC gegen die SG Hochwald-Zerf, besuchte Groundhopper Matthias „Max“ Schleth aus der Nähe von Wedel (Schleswig-Holstein) das Apollinarisstadion. Der 49jährige wandte sich als großer HSV-Fan seit 1977 nach der Ausgliederung der Profiabteilung und des HSV II  in die HSV Fußball AG als Fan der im Hamburger SV e.V. verbliebenen dritten Mannschaft zu und ist Gründungsmitglied des HFC Falke, einem von enttäuschten HSV Fans gegründetem Verein, welcher von den Mitgliedern geführt wird.

Hallo Matthias, du warst als Groundhopper Anfang September zum Besuch der Rheinlandligapartie Ahrweiler BC vs. SG Hochwald Zerf. Wie kam es dazu?

Matthias Schleth:

Meist suche ich meine Spielbesuche außerhalb von Hamburg und Schleswig-Holstein aufgrund von einem einigermaßen Ausbau (Tribüne, Stehtraversen) und/oder höherklassigem Fußball (ab Oberliga) aus. Vor allem ältere Stadien reizen mich. Im Fall vom ABC kam hinzu, dass ich bei einem Freund in Remagen/Kripp über ein verlängertes Wochenende zu Besuch war. Im Zuge dessen wurde beispielsweise auch ein Spiel des VFB Linz, ebenfalls Rheinlandliga, besucht. Sowohl in Linz als auch in Ahrweiler wurde jeweils noch das Weinfest mitgenommen. In Ahrweiler stand zudem eine Besichtigung des Regierungsbunkers auf dem Programm (wenn möglich, werden gerne auch Sehenswürdigkeiten sowie Kultur mitgenommen).

Wie hat dir der Besuch im Apollinarisstadion gefallen?

Matthias Schleth:

Der Besuch hat sich definitiv gelohnt! Es gibt eine Tribüne, Stehstufen und auch Bier und Rindswurst waren lecker. Das kulinarische Angebot wird nämlich auch immer getestet und bewertet. Hier liegt der ABC im Übrigen bei einer guten 3 (es fehlte ein Grill ). Sehr gut hat mir der Auftritt des ABC gefallen. Eine sehr spielstarke und torgefährliche Mannschaft, von der noch einiges zu erwarten ist. Auch positiv: Ich sammle die Anstecknadeln der von mir besuchten Vereine. Beim ABC habe ich problemlos solch eine bekommen. Danke nochmals hierfür!

Wie wird man zum Groundhopper und was ist für dich der Kick bei diesem skurrilen Hobby?

Matthias Schleth:

Bei mir fing es damit an, dass ich mir rund um die HSV Auswärtsspiele mögliche weitere Spiele in der entsprechenden Region raussuchte, unter dem Motto „wenn man schon mal da ist.“ Im Laufe der Zeit wurde daraus immer mehr. Zunächst war mein Hauptziel, alle Vereine und Grounds im Hamburger Fußballverband „abzuhaken“. Nachdem dies erledigt war, weitete es sich zunächst auf Schleswig-Holstein, Niedersachsen und Mecklenburg-Vorpommern und später auf ganz Deutschland aus. Ebenso wird natürlich auch im Ausland Fußball geschaut. Hier gibt es allerdings weitaus „aktivere“ Leute als mich. Die meisten „Länderpunkte“ habe ich mit Spielen des HSV gemacht, bspw. im Europacup oder Testspiele im Trainingslager. Gelegentlich werden aber auch Hoppingtouren ins Ausland unternommen. Der Kick ist einfach, immer neue Grounds zu machen, verschiedenste Stadionbauweisen zu sehen, Ligen „vollzumachen“ und auch Leute kennenzulernen.

In welcher Intensität und Entfernungen besuchst du die verschiedensten Grounds?

Matthias Schleth:

Ich betreibe dieses Hobby schon sehr intensiv, es vergeht eigentlich kein Wochenende ohne Fußball und auch unter der Woche wird – soweit arbeitstechnisch möglich – Fußball geschaut. Am Wochenende oder im Urlaub werden auch größere Entfernungen in Kauf genommen, da geht es schon deutschlandweit und auch mal ins Ausland. Unter der Woche dagegen ist es meist etwas in der näheren Umgebung und dann auch oftmals unterklassig. Wobei auch hier hin und wieder mal 100 Kilometer oder auch mehr in Kauf genommen werden.

Nach welchen Kriterien suchst du dir die zu besuchenden Grounds aus?

Matthias Schleth:

Wie bereits erwähnt, sollte ein Ground (zumindest wenn weiter entfernt) Ausbau haben. Möglichst eine Tribüne und Stehtraversen. Auch die Lage spielt mitunter eine Rolle, bspw. auf einer Anhöhe, im Wald, in einer Senke o.ä. Am liebsten habe ich ältere Stadien, leider sterben diese immer mehr aus. Entweder sie verfallen, werden nicht mehr genutzt oder durch moderne Arenen ersetzt. Letztere gefallen mir überhaupt nicht (u.a. weil zumeist alle gleich aussehen). Ebenfalls bin ich kein Freund von Kunstrasenplätzen, so funktional diese auch sein mögen.

Gibt es bei den Groundhoppern eine Dachorganisation, feste Regeln oder so etwas wie einen Ehrenkodex?

Matthias Schleth:

Eine Dachorganisation gibt es nicht, zumindest gehöre ich keiner an. Feste Regeln gibt es auch nicht, hier kann es jeder halten, wie er will. Auch einen Ehrenkodex gibt es nicht. Jeder hat so seine eigenen Regeln. Meine sind z.B.: Ich zähle nur Herrenspiele, keine Jugend, Altherren, Senioren oder Damenspiele. Auch Freizeitliga oder Ähnliches zähle ich nicht. Zudem gucke ich ein Spiel über volle 90 (oder ggf. 120) Minuten. Es gibt auch Leute, denen eine Halbzeit reicht, dies mache ich nicht. Aber wie gesagt – jeder wie er mag.

Wo finden diejenigen, die sich für das Groundhopping interessieren, die besten Infos und Facts?

Matthias Schleth:

Hier gibt es verschiedenste Möglichkeiten. Im Internet bei Europlan.online.de, 0zu1.de, Fußball.de, Soccerway, Fupa etc. Dazu gibt es auf FB etliche Gruppen und es gibt natürlich auch viele Gruppen bei Whatsapp.

Hintergrund:

Groundhopper sammeln Stadionbesuche und das am besten so oft und so schnell hintereinander wie möglich. Die Idee eines Engländers, für diejenigen, welche  alle 92 Profiteams in deren Stadien besucht haben, eine spezielle Krawatte produzieren zu lassen, gilt als Startschuss für das Groundhopping. Seit Beginn der Neunzigerjahre findet das Groundhopping auch in Deutschland immer mehr Freunde. Eine fest geregelte Vorgehensweise gibt es dabei nicht. Es gibt auch die sogenannten Extrem-Groundhopper, welche weltweit die Grounds besuchen.

Foto:

ABC-Vorstandsmitglied (l.) und Matthias „Max“ Schleth beim Heimspiel gegen die SG Hochwald Zerf.

 

 

 

 

 

 

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