INTERVIEW MIT ATHLETIK-COACH RAINER STEIN

„Was nützt dem Spieler die beste Technik, wenn er stets als Zweiter am Ball ist!“

Seit Beginn des Jahres kann der Ahrweiler BC auf die Dienste von Rainer Stein zurückgreifen. Der lizenzierte Leichtathletikcoach und ehemalige Sportlehrer unterstützt den ABC als Athletiktrainer.

Rainer, Du bist seit Januar 2017 als Athletik-Trainer beim ABC aktiv. Zuvor warst du als Sportlehrer am Rhein-Gymnasium Sinzig, als Leichtathletik-Trainer und Multifunktionär beim TUS Ahrweiler, als Kadertrainer und in der Trainerausbildung des Landesverbands tätig. Du besitzt die höchste Trainerlizenz des Deutschen Leichtathletik-Verbands. Wie kam es zur Zusammenarbeit mit dem ABC?

Daran ist Peter Sahl schuld. Dem ehemaligen Rheinlandliga-Spieler des ABC und zugleich ehemaligen Schüler von mir erzählte ich, dass es mich reizen würde, mein leichtathletisches Spezialwissen auf den Fußball zu transferieren. Peter stellte dann umgehend den Kontakt her.

Hattest du schon vorher Beziehungen zu Ahrweiler und dem ABC?

Klar, immerhin war mein Urgroßvater Schützenkönig, ich selbst habe 33 Jahre in Bad Neuenahr-Ahrweiler gelebt. Während der 35 Jahre beim TUS Ahrweiler habe ich immer wieder mit Größen des ABC zusammengearbeitet, zum Beispiel Karl Josef Steinkämper und Kurt Schröder. Mehrere ABC-Spieler waren einmal Schüler von mir.

Was waren Deine ersten Eindrücke vom aktuellen ABC?

Mich haben das klare und leistungsorientierte Konzept des ABC sowie die Aufbruchstimmung im Verein überzeugt. Zudem bin ich verblüfft, wie der Jugendleiter Gerd Treffer und die Trainer nicht nur sportliche Leistung verlangen, sondern auch auf Benehmen und generell soziales Verhalten der Spieler Wert legen. Das ist nicht überall der Fall. Sport kann alles schulen, was man auch später im Berufsleben braucht: Teamgeist, Leistungsbereitschaft, die Freude über das gemeinsame Erreichen großer Ziele wie die Enttäuschung über das Versagen und die Motivation, dennoch weiterzumachen.

Was ist Deine Aufgabe und wie wird diese in der Praxis umgesetzt?

Ich sehe mich als Dienstleister der Trainer. Wenn sie in ihrer Mannschaft Defizite im athletischen Bereich feststellen, überlegen wir gemeinsam, ob und wie ich unterstützend wirken kann. Der zeitliche Schwerpunkt wird naturgemäß in den beiden Vorbereitungsperioden, vor der Hin- und vor der Rückrunde, sein. Darüber hinaus halte ich während der Saison einen begleitenden Einsatz für notwendig, um das erreichte Niveau nicht wieder absinken zu lassen.

Was bedeutet es aus der Sicht eines Athletiktrainers, wenn es heißt: Das Team ist in einem hervorragenden Fitness-Zustand?

Rein von der Definition her bedeutet es, dass dann ein Team in den motorischen Grundeigenschaften Kraft, Schnelligkeit, Ausdauer, Koordination und Beweglichkeit sein Optimum erreicht hat. Hier gibt es aber sportartspezifische Unterschiede. Meiner Meinung nach kommt im Fußball der Schnelligkeit eine besondere Bedeutung zu. Was nützt dem Spieler die beste Technik, wenn er stets als Zweiter am Ball ist!

Wie waren die ersten Trainingseinheiten? Und kann man mannschaftsübergreifend bereits den größten Bereich eines möglichen Steigerungspotentials festmachen?

Der Fitness-Zustand ist in allen Jugendmannschaften durchschnittlich gesehen erfreulich hoch. Die sehr kompetenten Trainer haben hier in der Tat gute Arbeit geleistet. Individuell gibt es bei den Spielern allerdings erhebliche Unterschiede, insbesondere im Bereich Schnelligkeit.

Hat sich der Amateurfußball, analog zu den Profis, in den letzten Jahren von der Geschwindigkeit her verändert und inwieweit gibt es noch Steigerungsmöglichkeiten?

Unbestreitbar hat die Geschwindigkeit der Aktionen in allen Fußballklassen erheblich zugenommen. Das stellt natürlich auch gesteigerte Anforderungen an die Erholungsfähigkeit. Denn mir nützt kein schneller Spieler, dem nach zehn Sprints zum Ball die Puste ausgeht. Darüber hinaus gibt es ein riesiges Potenzial, die Spieler nicht nur in den Beinen, sondern auch im Kopf schneller zu machen.

Welche fußballuntypischen Trainingsmethoden wären deiner Meinung nach auch vielversprechend in den normalen Trainingsbetrieb der unteren Fußball-Amateurklassen einzubauen?

Gesetzt den untypischen Fall, dass ein Trainer genügend Trainingseinheiten zur Verfügung hat, dann wäre hier die Allgemeine Koordinationsschulung zu nennen, hier kann man Elemente aus allen möglichen Sportarten „klauen“, z.B. auch vom Boxen.

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