EINER VON UNS – MARKUS JÜRIS

Abseits ist: „Wenn der Schiedsrichter pfeift“

Markus Jüris, einer der Schiedsrichter des Ahrweiler BC, wird nach über 20 Jahren nicht mehr überkreislich pfeifen. Der 1975 in Bad Neuenahr geborene Fan des 1.FC Köln wird dem Kreis jedoch als Schiedsrichter und Beobachter erhalten bleiben.

Interview mit Markus Jüris (Schiedsrichter des Ahrweiler BC)

Hallo Markus. Nach einem knappen Vierteljahrhundert verlässt du die überkreisliche Ebene (Rheinlandliga/Oberliga) und pfeifst fortan „nur“ noch im Kreis. Wie kommt es dazu?

Markus Jüris: Seit genau 25 Jahren bin ich Schiedsrichter und habe dabei 23 Jahre überkreislich gepfiffen. Die Zeit im Fußballverband Rheinland war super. Ich habe viel erlebt, gesehen und mitbekommen. Das sind 23 Jahre, die ich nicht missen möchte. Ich habe viele liebe und nette Menschen kennengelernt. Nun ist aber persönlich für mich die Zeit gekommen, einen Gang runter zu schalten.

Was sind für dich als Schiedsrichter die gravierendsten Unterschiede, bspw. zwischen der Oberliga und der Kreisliga C?

Markus Jüris: Je höher die Liga, desto professioneller, schneller und taktisch geschulter gehen die Spiele über die Bühne. In den unteren Ligen geht es insgesamt noch menschlicher zu. Bei meiner Einstellung zu jedem Spiel wird sich aber nichts ändern. Ich pfeife schon immer jedes Spiel, egal ob von der Jugend bis hin zur Oberliga, mit der gleichen hohen Motivation. Natürlich hilft mir meine Erfahrung bei meinen künftigen Spielen.

Welches Spiel unter deiner Leitung wirst Du nie vergessen?

Markus Jüris: Ein spezielles Spiel gibt es nicht. Es gibt viele Spiele, die mir in Erinnerung bleiben werden. Mein letztes Spiel in der Rheinlandliga, bei der meine Familie dabei war, war schon emotional für mich. Ein Highlight allerdings war ein Spiel an der Linie mit Edgar Steinborn in der Regionalliga. Kickers Offenbach gegen Unterhaching.

Was hat dich überhaupt dazu bewogen Schiedsrichter zu werden?

Markus Jüris: In der B-Jugend des ABC habe ich wegen Knieproblemen pausieren müssen. Da ich dem Fußball aber weiterhin verbunden bleiben wollte, habe ich den Weg des Schiedsrichters eingeschlagen.

Ist die „Schauspielerei“ im Fußball auch in den unteren Klassen ein großes Problem?

Markus Jüris: Nein. Wenn man konsequent gegen Unsportlichkeit vorgeht nicht. Da sind wir Schiedsrichter aber auch gefordert und dürfen nicht alles zulassen.

Und gibt es für „Schwalben“ Anzeichen oder Merkmale? Bspw. beim Bewegungsablauf.

Markus Jüris: Nein. Die meisten Schwalben sind situationsbedingt und eher spontan.

Hast du nach so vielen Jahren auch noch so etwas wie Angst vor einer Fehlentscheidung?

Markus Jüris: Angst nicht. Fehlentscheidungen kommen vor und sind auch Teil unseres Hobbies. Sie sind aber sehr ärgerlich. Und niemand ärgert sich mehr über Fehlentscheidungen als wir Schiedsrichter selbst. Aber während eines Spieles ist es nicht ratsam, sich über eine Fehlentscheidung Gedanken zu machen. Das Spiel geht weiter und braucht unsere ganze Aufmerksamkeit.

Hat sich im respektvollen Miteinander, seitens der Spieler und Trainer mit dem Unparteiischen, im Verlauf der letzten zwei Dekaden etwas verändert?

Markus Jüris: Leider ja. Bei vielen Spielern, Trainern und Funktionären ist nach dem Spiel leider nicht Schluss. Auch der Frust wird immer mehr bei uns abgelassen. Nicht schön.

Subjektiv ergibt sich den meisten Beobachtern der unteren Amateurklassen der Eindruck, dass immer die gleichen, zumeist schon in die Jahre gekommenen Schiedsrichter pfeifen. Gibt es ein Nachwuchsproblem? Und wie würdest du Teenager davon überzeugen wollen, eine Laufbahn als „Schiri“ einzuschlagen?

Markus Jüris: In den vergangenen Jahren haben wir jedes Jahr Schiedsrichter verloren. Daher ist es richtig, dass in den Kreisklassen sehr häufig die gleichen Personen pfeifen. Aber in den vergangen Jahren konnten wir die Zahl der Schiedsrichter stabilisieren und viele Jüngere gewinnen. Dies ist ein großer Verdienst unseres Vorstandes mit dem Obmann Markus Wozlawek an der Spitze. Für deren Arbeit möchte ich mich an dieser Stelle mal von Herzen bedanken.

Jedem jungen Menschen, der Schiedsrichter werden möchte, kann ich folgendes mit auf den Weg geben: Die Schiedsrichterei ist sehr charakterprägend. Man entwickelt eine gute Menschenkenntnis, lernt sich durchzusetzen und sich kritisch mit seiner Leistung auseinander zu setzen. Und nicht zu vergessen. Es macht richtig viel Spaß.

Du bist als Schiedsrichter des Ahrweiler BC gemeldet. Welche Beziehung bestehen sonst noch zu deinem Verein?

Markus Jüris: Ich habe noch einen Spielerpass. Bis zur A-Jugend habe ich auch selbst das Trikot des ABC getragen. In der Folgezeit konnte ich als SR allerdings nur sehr wenige Spiele des ABC sehen, da ich an den Wochenenden als Schiedsrichter unterwegs war. Ich habe den Weg des ABC aber immer verfolgt. Der Verein lag und liegt mir am Herzen und ist meine fußballerische Heimat. Daher tat mir der Absturz in der Vergangenheit sehr weh. Es ist schön zu sehen, dass sich derzeit vieles Positives tut.

Zum Abschluss bitte noch die kürzeste Definition für Abseits.

Markus Jüris: Wenn der Schiedsrichter pfeift.

Foto: Markus Jüris (Mitte) vor seinem letzten Spiel in der Verbandsliga.

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